Bücherschränke und Momox aus Autorinnensicht

Momox und Co aus Autorinnensicht

Mein Bücherregal ist voll. Längst stehen die Bücher in doppelter Reihe und die Böden biegen sich unter der Last. Muss ich Angst wegen der Traglast der Decke haben? Aufheben oder weitergeben? Das ist die Frage, die sich immer wieder stellt. Sicher, einige Bücher haben einen besonderen Stellenwert, einige sind als Nachschlagewerke unverzichtbar. Aber all die anderen? Tauschbörsen, Flohmärkte oder Händler wie Momox bieten sich an, spülen vielleicht den einen oder anderen Euro in die Kasse. Natürlich nur, um neue Bücher anzuschaffen. Aber wie stellt sich der Gebrauchtmarkt für Autoren dar? Ich stecke in seiner Zwickmühle.

Nachhaltigkeit

In einer Welt, in der Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung immer mehr an Bedeutung gewinnen, sind auch gebrauchte Bücher ein Thema. Auch wenn ich immer häufiger auf E-Books zurückgreife, sammeln sich hier unzählige Taschenbücher mit belletristischen Texten, Kinderbücher und Nachschlagewerke.

E-Books dürfen übrigens nicht weitergegeben werden! Warum das so ist, kannst du in meinem Artikel über E-Book Piraterie nachlesen.

Die Altpapiertonne ist ein echtes No-Go für mich. Nein, da blutet mir das Herz. Aber wohin mit Büchern, die niemand im Haushalt mehr braucht?

Öffentliche Bücherschränke, Tauschbörsen und Plattformen wie Momox tragen dazu bei, dass Bücher ein längeres Leben haben und nicht einfach im Müll landen. Diese Einrichtungen ermöglichen es Menschen, auf kostengünstige Weise Zugang zu Literatur zu erhalten und gleichzeitig die Umwelt zu schonen. Eine tolle Sache, oder nicht?

Gebrauchte Bücher: Segen oder Fluch für Autoren?

Trotz all der positiven Aspekte gibt es auch eine Schattenseite: Autoren profitieren finanziell nicht vom Verkauf gebrauchter Bücher. Bei jedem neuen Buchverkauf erhalten Autoren einen kleinen Anteil in Form von Tantiemen. Dieser Anteil ist ohnehin gering. Wir reden von ca. 6 bis 10 % des Buchpreises, nach Abzug der Mehrwertsteuer. Der Wiederverkauf von Büchern sorgt dafür, dass dieser Verdienst entfällt. Das ist besonders problematisch, da viele Autoren nicht allein vom Schreiben leben können und auf diese Einnahmen angewiesen sind.

Das Schreiben ist oft eine Leidenschaft, die neben dem Broterwerb betrieben wird. Gebrauchte Bücher und deren Verbreitung vergrößern den Kreis der Leser, doch ohne direkte finanzielle Unterstützung kann es für Autoren schwierig sein, weiterhin kreativ tätig zu sein.

Mein persönlicher Umgang mit gebrauchten Büchern

Auch ich greife gelegentlich auf gebrauchte Bücher zurück. Flohmärkte und öffentliche Bücherschränke sind wahre Schätze, wenn es darum geht, neue Geschichten zu entdecken. Gleichzeitig verkaufe und verschenke ich auch eigene Bücher, um Platz für neue Werke zu schaffen und anderen eine Freude zu bereiten. Gerade steht ein Karton am Straßenrand, mit aussortierten Kinderbüchern und Spielen. Ich freue mich, wenn am Abend ein paar Schätze ein neues Zuhause gefunden haben. Auch in Bibliotheken bin ich gerne, aber anders als bei Flohmärkten können Autoren durch die VG Wort einen kleinen Ausgleich für entgangene Tantiemen erhalten.

Mein grünes Herz freut sich, wenn Ressourcen geschont werden und Bücher ein zweites oder drittes Mal gelesen werden. Und doch habe ich als Autorin ein schlechtes Gewissen, denn ich weiß um die Probleme, vor denen Schreibende stehen und wie hart daran gearbeitet wird, wenigstens teilweise vom Schreiben leben zu können. Welche Entbehrungen und vor wie vielen Hürden man auf diesem Weg steht.

Wie man Autoren trotz gebrauchter Bücher unterstützen kann

Es gibt jedoch noch ein paar Möglichkeiten, wie man Autoren unterstützen kann, auch wenn man Bücher gebraucht kauft. Hier einige Ideen:

  1. Empfehlungen aussprechen: Erzähle Freunden und Familie von den Büchern, die dir gefallen haben. Mundpropaganda ist noch immer die beste Werbung und kann den Bekanntheitsgrad eines Buches enorm steigern. Vielleicht kauft dann doch jemand das Buch. Das wäre großartig!
  2. Rezensionen schreiben: Verfasse Rezension auf gängigen Verkaufsplattformen wie Amazon oder Goodreads. Das funktioniert auch dann, wenn du das Buch dort nicht gekauft hast! Positive Bewertungen erhöhen die Sichtbarkeit und Glaubwürdigkeit eines Buches. Es ist verdammt schwer für Autoren, an Rezensionen zu kommen. Orientiere dich gerne an meinem Beitrag, wie man eine Rezension schreibt.
  3. Soziale Medien nutzen: Teile deine Leseerfahrungen auf Social Media. Verlinke die Autoren, die sich sicher freuen und vielleicht sogar bei dir melden werden.
  4. Spendenkasse: Einige Schreibende sind auf Patreon oder haben eine virtuelle Kaffeekasse. Vielleicht magst du so Kreative unterstützen. Ich habe so etwas noch nicht, aber vielleicht mache ich mich mal schlau, wie das funktioniert.

Hast du noch Ideen gegen überquellende Bücherregale? Ich müsste mal wieder Platz schaffen …

Herzlichst Deine

Autorin Kassia L. Hill

1 Kommentar zu „Bücherschränke und Momox aus Autorinnensicht“

  1. Ich bin auch eine Leseratte – danke für diesen Beitrag. Allerdings habe ich dann angefangen eine zeitlang viele ebooks zu kaufen. Der Kindle ist praktisch, aber ich bin schnell zu haptischen Büchern zurückgekehrt. Als Autorin und vor allem Lektorin platzen meine Regal ebenso aus allen Nähten alleine schon wegen der vielen Fachbücher, die einfach auch bleiben und nicht gehen werden. Ich kann es wirklich nicht abwarten, in mein Büro umzuziehen.
    Bücher fürs Vergnügen habe ich natürlich auch noch und nöcher. Als ich noch jünger war, war ich meist in der Bücherei, ich hatte ja als Kind nicht das Geld so viele Bücher zu kaufen und selbst aus der Zeit lagern hier noch Kinderbuchschätze – Geschenke von den Großeltern – die ich nicht hergeben möchte.
    Aber jetzt kommt es: Ich gebe zu, ich habe schon Bücher im Altpapier entsorgt und zwar dann, als es einfach keine andere Möglichkeit mehr gab. Niemand wollte sie, ich hatte den Platz nicht mehr und es ging nicht anders. Heute gibt es auch bei uns im Ort Bücherschränke, die werde ich in der Zukunft nutzen – ich habe lange nicht mehr ausgemistet.
    Momox habe ich mal ausprobiert für CDs und es hat mich so frustriert, dass ich es gelassen habe. Alleine um den Mindeswert zusammenzubekommen, wenn 90% der CDs abgelehnt wurden, weil Momox darin schwamm und es für den Rest 0,05 Cent gab, war mir dann einfach zu mühsam. Mit Büchern habe ich es noch gar nicht probiert. Es gibt ja auch einige Bücher, wie von Susan E. Phillips, die ich niemals hergeben würde.
    Deine Tipps finde ich mega, wie man Autor:innen auch noch unterstützen kann, wenn man gebraucht kauft oder in der Bücherei ausleiht.

    Patreon … da habe ich auch mal drüber nachgedacht. Ich setze es mal bei uns auf die Liste 😉

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