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Ge(h)schichten: Wie Herausforderungen uns voranbringen

Manchmal brauchen wir diese verrückten Ideen, die uns herausfordern und antreiben. Im Oktober 2024 setzte ich mir genau so ein Ziel – ehrgeizig und ein bisschen unrealistisch. Ich wollte meinen Jahresdurchschnitt an Schritten auf 6.000 bringen, ohne wirklich durchzurechnen, was das bedeutete. Doch bald wurde mir klar: Das würde härter werden, als ich dachte …

Von Euphorie und großen Zielen

Wer aufmerksam meine Monatsrückblicke liest, hat mitbekommen, dass ich im Oktober eine verrückte Idee hatte. Grund war ursprünglich eine Liste an Dingen, die ich im letzten Quartal 2024 schaffen wollte. So landete die verrückte Zahl 6.000 auf ebendieser Liste. Damit waren 6.000 Schritte gemeint, die ich bis zum Jahresende als durchschnittliches Schrittpensum aufweisen wollte. Anfang Oktober lag er bei 4.179 Schritten und 5.000 sah mir zu einfach aus. Was für ein Trugschluss, denn tatsächlich hatte ich mir die Konsequenzen nicht ausgerechnet. 12.307 Schritte mussten es täglich sein, um das Ziel bis zum 31. Dezember zu erreichen. Nach der anfänglichen Euphorie kam schon der erste Dämpfer. Es erschien mir schlicht unmöglich!

Leider – oder zum Glück – hatte ich mein Vorhaben bereits herausposaunt. Kneifen galt also nicht.

Was folgte, war, neben dem Gehen natürlich, eine kleine Recherche. Ich fand tatsächlich einige Beiträge von Menschen, die sich zum Ziel gesetzt hatten, täglich 10.000 Schritte zu gehen. Eine Zahl, die immer wieder im Netz herumgeistert, die jedoch keine wissenschaftliche Grundlage hat. Es war wohl ein Werbegag der japanischen Firma Yamasa, die im Jahr 1964 einen Schrittzähler auf den Markt brachte. Wie auch immer; Bewegung im Alltag tut gut, ist gesund und die Erfahrungsberichte zeigten, dass es durchaus möglich ist, täglich dieses Ziel zu erreichen. Mein persönliches Ziel lag zwar etwas höher, aber vielleicht doch nicht ganz unmöglich.

Der Realitätscheck

Die ersten Tage waren spannend, aber auch anstrengend. Ich suchte mir neue Routen, entdeckte versteckte Wege und war zufrieden, wenn mein Schrittzähler am Abend die magische Zahl zeigte. Doch schon bald begann ich, den Umfang meines Vorhabens wirklich zu begreifen.

Jeden Tag 12.000 Schritte zu gehen, bedeutet, täglich etwa 1,5 bis 2 Stunden draußen zu sein – egal, ob es regnet, stürmt oder schneit. Es bedeutet, die Zeit irgendwo freizuschaufeln, auch wenn der Alltag voll ist. Und es bedeutet, die kleinen Zipperlein, die sich bald meldeten, irgendwie auszuhalten.

Ich wusste, ich durfte nicht krank werden und ich begann zu rechnen und Listen zu führen. Würde ich mein Ziel vorzeitig erreichen, wenn ich mehr schaffte? Wenn ich noch 1 km dranhängte oder abends eine Extrarunde ging?

Listen
Meine Listen über die täglichen Schritte

Nach vier Wochen kam ich an einen kritischen Punkt. Ich hatte keinen Vorsprung, keinen Puffer. Wenn ich einen Tag nicht ging, musste ich es am nächsten nachholen und das ließ den Druck noch wachsen. Meine Motivation ging flöten. Wie blöd kann man eigentlich sein? Zuhause stapelte sich die Wäsche, meine Beine schmerzten und nicht einmal Frau Hund hatte mehr Lust, mit mir rauszugehen (musste sie aber trotzdem).

Kassia mit Hund

Aufgeben? Natürlich habe ich darüber nachgedacht und das nicht nur einmal. Aber ich wusste, ich hätte mich über mich selbst geärgert. Also ging ich weiter, erfüllte mein tägliches Soll und wann immer es mir möglich war, ging ich noch etwas weiter. Wenn mich der Rappel packte, dann lief ich einfach ein paar Runden im Wohnzimmer oder beim Zähneputzen. Ich räumte den Tisch nicht effektiv ab, sondern trug jeden Teller einzeln in die Küche. Mein Tagesdurchschnitt wuchs an und oft lief ich mehr, als die erforderlichen rund 12.000 Schritte. Bald waren 15.000 und mehr gar kein Problem mehr und erst recht keine Seltenheit. Und irgendwann erreichte ich diesen magischen Punkt, als mein tägliches Soll zusammenschmolz und das Enddatum, wann ich also die 6.000 erreichen sollte, nach vorne rückte. Das hat mir noch einmal einen tüchtigen Motivationsschub gegeben und tatsächlich erreichte ich mein Ziel sogar noch vor Weihnachten.

22.12.2024 – Ziel erreicht!

Natürlich war ich stolz, aber ich war nach dieser Herausforderung auch wesentlich fitter! Viel ich anfangs nach einem ordentlichen Marsch noch erschöpft aufs Sofa, konnte ich nach nur 2 bis 3 Wochen auch einfach mit meinen anderen Aufgaben weitermachen. Hausputz nach der Wanderung, Kochen oder Einkaufen? Kein Problem! Die hartnäckigen Pölsterchen um die Leibesmitte schmolzen ganz von allein, was im Dezember den wunderbaren Effekt hatte, dass ich ohne Reue naschen konnte.

Auch der Muskelkater wurde weniger, auch wenn er mich tatsächlich bis Ende Dezember begleitet hat. Meine Achillessehne hatte mir am meisten Probleme bereitet und ich hatte mit ordentlichen Schwellungen zu kämpfen, bei denen am Ende aber eine Bandage Abhilfe geschaffen hat.

Da ich merkte, wie gut mir die Bewegung tat, habe ich das Experiment in etwas reduzierter Form im neuen Jahr fortgesetzt. Der Stand der täglichen Schritte liegt Ende Februar bei:

Schritte Stand Februar 2025
Stand 23.02.2025

Und was hat das jetzt mit dem Schreiben zu tun?

Wenn ich eine neue Idee für eine Geschichte habe, bin ich immer total begeistert. Die Idee lässt mich nicht los und ich kann es kaum erwarten, mich auf das neue Projekt zu stürzen. Ich fange an, die ersten Ideen aufzuschreiben, erstelle einen Plot und recherchiere. Dann schreibe ich die Geschichte und irgendwann kommt der Punkt, an dem die Motivation nachlässt. An dem es schwer wird, sich jeden Tag aufzuraffen und zu schreiben. Und auch dann stellt sich die Frage, ob Aufhören nicht einfacher wäre.

Bei mir passiert das meistens gegen Ende des ersten Drittels im Romanprojekt, wenn der Anfang geschrieben ist und der Höhepunkt noch in weiter Ferne ist.

Was mir hilft, ist ein Plan. Ich weiß in etwa, wie lang das Romanprojekt werden soll und breche es herunter, sodass ich am Ende weiß, wie viele Worte ich täglich schreiben muss oder in einer späteren Phase überarbeiten. Nur so schaffe ich es, Abgabefristen einzuhalten. Allerdings plane ich auch ausreichend Pufferzeiten ein und die Erfahrung hilft, die Dinge realistisch einschätzen zu können. Ich weiß, dass ich momentan niemals 10.000 Wörter pro Tag schreiben kann. 1.000 oder 2.000 aber durchaus und wenn es besonders gut läuft, ist kurzfristig auch mal eine Extrarunde drin.

Letztlich hilft bei allen unseren Vorhaben nur endlich „anzufangen“. Aufhören mit sich selbst zu diskutieren oder davon zu träumen, wie es wäre, wenn man das Ziel schon erreicht hätte. Und zur Wahrheit gehört auch, dass es an irgendeinem Punkt schmerzhaft werden wird. Dass der Weg mühsam und steil wird und es so viel leichter wäre, aufzugeben.

Was sind deine Herausforderungen und wie meisterst du sie?

Herzlichst

Autorin Kassia L. Hill

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