KI Buchmarkt

Neues Tool im Werkzeugkasten? KI im Buchmarkt

KI ist mittlerweile aus der Buchbranche nicht mehr wegzudenken. Ob beim Schreiben, für Illustrationen oder beim Marketing – Künstliche Intelligenz verändert die Art und Weise, wie Bücher entstehen und präsentiert werden. Doch während viele die Möglichkeiten nutzen, gibt es auch Kritik und Skepsis. Ich bin die Diskussion und die Verlogenheit leid.

KI in der Buchbubble: Kritik und Realität

Eine Autorin schreibt unter mehreren Pseudonymen 200 Bücher im Jahr, Blogger:innen posten lustige Bildchen von sich selbst als Spielpüppchen in der Plastikverpackung oder im Aquarellstil mitten in ihrem Bookstagram-Account. Unterdessen schimpfen Coaches und verteufeln die KI, wenn sie für Marketingtexte genutzt wird. Oh Wunder! Die Coachin verkauft Buchmarketing-Kurse. Und Illustratoren kritisieren KI-generierte Coverbilder und Charakterkarten.

Ja, und dann gibt es noch die Schreibenden, die auf den Zug aufspringen, denn so ein Empörungspost bringt ja dann doch mehr Reichweite auf Social Media, als wenn man zum 100. Mal den Klappentext vom eigenen Buch vorstellt.

Klar, die Nutzung von KI ist zu hinterfragen. Sie kostet viele Ressourcen. Riesige Rechenzentren wollen versorgt werden, und da reicht Solarenergie nicht aus. Gekühlt werden muss ebenfalls. Die Nutzung von KI ist teuer, und ich glaube nicht, dass ChatGPT und Co langfristig kostenlos bleiben werden. Schon jetzt gibt es Premiumzugänge – allerdings wird das nicht reichen, um die Kosten zu decken. Wir befinden uns in einer Blase, die früher oder später platzen wird.

Bis dahin bleibt KI für jeden zugänglich und nutzbar. Und ja, auch ich nutze KI-Modelle wie ChatGPT, Claude oder Perplexity. Dies zuzugeben, ist fast schon unmöglich. In einer anonymen Umfrage gaben fast 50 Prozent der befragten Autor:innen zu, KI zu nutzen – in welcher Form auch immer. Offiziell zugeben tut das aber kaum jemand, denn schnell steht der Vorwurf im Raum, KI zum Schreiben der Romane zu nutzen.

Was mir dabei auffällt, ist die fehlende Differenzierung. Einen ganzen Roman von einer KI schreiben zu lassen, halte ich auch 2026 für eine schlechte Idee. Viele schreien nach einem Label. Würde es das geben – und ich frage mich, wie man das kontrollieren will – ein solches Buch würde ich nicht kaufen.

Würde aber ein Autor oder eine Autorin ein Buch mit Hilfe von KI schreiben und dann gründlich überarbeiten, ja, dann schon. Dann würde ich vielleicht nicht einmal merken, dass KI im Spiel war. Denn was bedeutet es denn, wenn KI das Buch geschrieben hat? Zwischen 100 % und einem Prompt wie „Schreibe mir einen 200-Seiten-Roman mit Handlung XY für Zielgruppe Z mit Happy End“ und Vorschlägen für Charakternamen und Stilverbesserungen ist alles möglich.

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Wer verdient an Büchern?

Es ist interessant, dass in der Buchbranche alle – und damit meine ich wirklich ALLE – vom Werk eines Autors oder einer Autorin profitieren und damit Geld verdienen dürfen. Das ist völlig legitim. Verlage natürlich. Lektoren, Korrektoren, Illustratoren, Buchsetzer … JA, sogar Buchblogger. So sehr ich mein Bloggerinnenteam liebe und ihre Arbeit gar nicht genug wertschätzen kann, auch so eine Buchbox gibt es eben nicht umsonst.

Nur für die Schreibenden ist es gesellschaftlich völlig akzeptiert, das volle unternehmerische Risiko selbst zu tragen. Ich finde das skandalös! Auch bei Verlagsautor:innen ist das so, denn auch Zeit ist Geld, und wie viele Stunden fließen in ein Manuskript? Welcher Stundensatz steht da am Ende?

Sehr, sehr wenige Schreibende können von dem, was sie da täglich tun, auch leben und in dem verzweifelten Versuch, aus der Schere zwischen Wunsch und Wirklichkeit herauszutreten, suchen sie immer neue Wegen, Sichtbarkeit und damit hoffentlich endlich erfolgreich zu werden. Hier noch ein Kurs, da eine Dienstleistung und … achja … Farbschnitt, Charakterkarten und Lesebändchen braucht es neben der Geschichte auch noch.

Dabei verstehe ich die Ängste und Frustrationen der Illustratoren, Grafikdesigner:innen und Coaches völlig. Nebenberuflich arbeite ich als Lektorin. Seit viele diese Arbeit an KI abgeben, sind die Aufträge eingebrochen. Ich sehe aber auch die Autorenseite. Wer kann schon immer wieder vierstellige Summen investieren? Ganz realistisch, will man ein Buch im Selfpublishing herauszubringen.

Ja, da muss an ein paar Stellen eingespart werden. Charakterkarten sind meistens nur eine kleine Zugabe für die Lesenden. Dafür dann einen Künstler zu beauftragen? Im besten Fall schwierig! Einen Coach zu buchen, um das ungeliebte Marketing zu verbessern, wenn es auch mit KI geht? Reden wir mal gar nicht von der Zeitersparnis. Jeder Instagram-Beitrag kostet 15, vielleicht auch mal 30 Minuten – für einen Beitrag, der nur 24 Stunden aktuell ist. Warum sich da keine Unterstützung holen? Warum keinen Marketingplan von der KI erstellen lassen? Und ganz ehrlich … Wer hält sich schon an so einen Plan? Ob nun von der KI oder teuer von einem Coach erstellt?

Wofür ich KI nutze

  • Marketingtexte auf Social Media: Ich sage der KI mal mehr, mal weniger knapp, was ich schreiben will, oder lasse einen Snippet aus dem Klappentext aufbereiten. Meine Haltung bleibt trotzdem enthalten. Ich erspare mir nur die Arbeit, mir eine Hook auszudenken und den Text fein auszuarbeiten.
  • Gedankenchaos sortieren: Ich habe eine Geschichte im Kopf und lasse mir von der KI mein bevorzugtes Plotschema darüber legen. So sehe ich, wo noch nachgearbeitet werden muss, wo Lücken sind und wo etwas zu lang wird. Natürlich kann ich das auch selbst machen, dauert aber wesentlich länger.
  • Angst vorm weißen Blatt: Manchmal sitze ich vor dem Bildschirm. Der Cursor blinkt und ich weiß, ich muss jetzt schreiben. Ich weiß auch, welche Szene heute dran ist. Aber ich komme nicht rein. Ich hole mir Schokolade und dann noch ein Stück. Hilf nicht. Dann eben Gummibärchen und noch ein Kaffee. Solche Tage sind frustrierend. Ich kann der KI aber auch sagen, wie die Szene beginnt, und lasse sie die ersten Zeilen schreiben. Anschließend überarbeite ich den Anfang und schreibe weiter. Vom Text der KI bleibt am Ende nichts mehr übrig und ich bin endlich wieder im Flow.
  • Charakterbilder: KI erstellt mir Bilder zu meinen Figuren. Natürlich könnte ich auch das Bild von einen Schauspieler nehmen, aber so entsprechen sie genau meiner Vorstellung und helfen, die Figuren konsistent im Kopf zu behalten. Ich kann die Figuren direkt in das passende Setting verpflanzen und meinen Arbeitsplatz mit diesen Bildern tapezieren. Das hilft mir sehr und beflügelt meine Fantasie.
  • Satzoptimierung: Bei grauenhaften Sätzen und einem Knoten im Kopf hilft mir KI. Ich lasse mir mehrere Varianten vorschlagen und oft bastle ich dann so lange daran herum, bis sich der Knoten löst.
  • Ideenpartner: KI ist ein geduldiger Diskussionspartner. Auch nachts um 3 kann ich mit ihr Ideen hin- und herspielen. Oft entstehen dadurch auch neue Ideen. Alle Gedankenblitze, plötzliche Wendungen und Abbiegungen können durchgespielt und schriftlich festgehalten werden. Das geht natürlich auch mit einem Schreibbuddy, aber wer will schon immer wieder stundenlang verschiedene Versionen durchkauen?
  • Korrektur: Dafür braucht es nicht unbedingt ChatGPT & Co., auch LanguageTool oder die Korrektur im Schreibprogramm sind vereinfachte KI-Hilfen. Sie sind Gold wert!
  • Technik: Mein Gamechanger! Ich muss nicht mehr Stunden auch YouTube mit irgendwelchen Tutorials verbringen. Meistens klärt sich ein Problemganz schnell, wenn ich es der KI erkläre und sie bitte, mir eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Dummies zu schreiben.

KI ist ein Werkzeug, das uns aktuell zur Verfügung steht. Wie lange das noch so bleibt, ist offen. Den sinn- und maßvollen Umgang zu verteufeln, halte ich für falsch. Ein Buch nur mit KI zu schreiben halte ich ebenso für falsch. Gute Illustratoren – gerade im Kinderbuchbereich, wo Figuren seriell konsistent gezeichnet werden müssen – werden weiterhin gebraucht. Für Einzelbilder wie Charakterkarten und Buchcover vielleicht weniger. Und gute Geschichten mit echten Emotionen, mit Haltung und eigenen Erfahrungen, schreiben nur Menschen. Ob nun mit Hilfe von KI oder ohne.

Herzlich, deine

Autorin Kassia L. Hill

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